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Video zur Reise von Norwegen nach Schottland:


Segelabenteuer ins Reich von Puffins, Haggis und Nessie

Ein Reisebericht zum Segeltörn von Bergen (Norwegen) nach Oban (Schottland) von Sabine Umla-Latz

AUF DEN SPUREN DER WIKINGER
Für die Wikinger war es vor über tausend Jahren Routine, erfahrene Fahrtensegler mögen darüber lächeln. Doch für eine spätberufene Hobbyseglerin bedeutet es eine echte Herausforderung: ein Segeltörn quer über den Nordatlantik – von Bergen in Norwegen zu den Shetland-Inseln und weiter bis in den Westen von Schottland.

Schon Wochen davor läuft das Kopfkino: Wie fühlt es sich an, in der Nacht auf einer 15 Meter langen Nussschale in den Weiten des Nordmeeres zu kreuzen? Was, wenn einer bei Dunkelheit über Bord geht? Wenn uns auf halber Strecke ein Sturm überrascht? In Erwartung eines großen Abenteuers und allen ängstlichen Gedanken zum Trotz buche ich den außergewöhnlichen Törn bei Nordtoern Segelreisen.
Unübersehbar liegt die Santa Maria mitten in der pittoresken Altstadt von Bergen. Für Skipperin Deike und ihre sechs Crew-Mitglieder wird sie für die nächsten zwei Wochen das Zuhause sein. Kaum 100 Meter vom Liegeplatz entfernt gibt es einen Markt, auf dem Händler üppige Mengen geräucherten Lachs, Stockfisch, Riesenkrabben und andere Meeresfrüchte anbieten. Ein echter Augenschmaus. Doch unsere lange Einkaufsliste für die Proviantierung unseres Törns können wir hier nicht abarbeiten. Mit unseren gerade ausgepackten Reisetaschen marschieren wir zum nächsten Supermarkt und kaufen Lebensmittel für über 400 Euro, denn nichts wäre schlimmer, als auf der langen Überfahrt hungern zu müssen.

Aufbruch gen Westen

Unsere Crew besteht aus zwei Frauen und fünf Männern. Eine Vorstellungsrunde bietet Gelegenheit für ein erstes Kennenlernen. Wir haben drei Ingenieure an Bord. Damit sollte die Lösung eventuell auftretender technischer Probleme gewährleistet sein. Und Charlie, einen derzeit in München lebenden Schotten. Von ihm werden wir im Laufe der Reise viel Interessantes über Land und Leute – sowie kulinarische schottische Highlights erfahren. Ich frage Deike nach ihrer Wetterprognose für die nächsten Tage. "Kein Sturm", verspricht sie und erklärt uns fachmännisch die Isobaren der aktuellen Wetterkarte. Fürs Erste bin ich beruhigt.
Adieu, Bergen, heißt es am nächsten Vormittag. Unter Motor fahren wir durch den Schärengürtel, dessen Landschaft sich in diversen Grautönen präsentiert. Man kann erahnen, dass es hier bei blauem Himmel und Sonnenschein traumhaft schön ist. Dann werden die Segel gesetzt. Ein südlicher Wind Stärke 4 lässt die Santa Maria ordentlich marschieren. 6, 7, auch mal 8 Knoten. Eine gute Reisegeschwindigkeit. Die ein Meter hohe Dünung sorgt für ein Schaukeln, an das man sich erst mal gewöhnen muss. Einige haben sich vorsorglich ein Medikamentenpflaster gegen Seekrankheit hinters Ohr geklebt, andere wollen es darauf ankommen lassen und versuchen es ohne. Sie werden zur Belohnung ihrer Tapferkeit am Nachmittag die Fische füttern.
Auf Sicherheit legt unsere Skipperin größten Wert, was ich sehr begrüße. Nach einer ausführlichen Sicherheitseinweisung im Hafen von Bergen steht jetzt Teil 2 auf dem Programm: Was tun, wenn der Fall eintritt, den es unbedingt zu vermeiden gilt? Wenn tatsächlich jemand von Bord fällt? Die Lösung: das Manöver des ersten Augenblicks – demonstriert und geübt mithilfe eines kompostierbaren Eierkartons. Geht dieser über Bord, steuert der Rudergänger hart in Richtung Luv und dreht die Yacht in den Wind. Das Boot kehrt automatisch ziemlich genau zur Eierschachtel zurück und bleibt stehen. Ein perfektes Manöver, um einen über Bord Gefallenen schnellstmöglich wieder zu erreichen. Doch oberste Priorität hat das Vermeiden dieser Situation. Also picken wir uns brav an der Laufleine ein, sobald wir die Plicht verlassen und uns aufs Vorschiff begeben.
Vor uns liegen rund 200 Seemeilen bis nach Lerwick, der Hauptstadt der Shetland-Inseln. Wie viele Hobbysegler, die am Abend gerne im sicheren Hafen liegen, habe ich noch nie eine mehrtägige Segeletappe miterlebt. Die Skipperin erstellt gemeinsam mit uns einen Wachplan für die nächsten Tage: Immer zwei Leute gehen zusammen Wache, am Tag jeweils für vier Stunden, in der Nacht für drei Stunden. Die Wachhabenden wechseln sich ab beim Rudergehen, halten Ausguck und rufen Deike zu Hilfe, falls es ein Problem gibt. Schnell stellen wir fest, dass die frische Seeluft und die permanente Bewegung des Schiffes ganz schön müde machen. In den Freiwachen zieht sich einer nach dem anderen in seine Koje zurück. Wir stellen uns auf den neuen, ungewohnten Lebensrhythmus ein.

Wachen, Schlafen, Land in Sicht

Ich habe Glück, dass meine Kabine auf der rechten Seite des Schiffes liegt, denn bei südwestlichem Wind und westlichem Kurs ist dies die Lee-Seite. Da die Santa Maria nach Steuerbord krängt, werde ich in meiner Koje schön an die Bordwand gedrückt, die ich mit einer Wolldecke abgepolstert habe. Wechselt das Schiff nach einer Wende auf den Backbordbug, wird das unter der Matratze befindliche Lee-Segel gespannt, um nicht aus der Koje zu fallen. Doch das geschieht auf unserer Fahrt nur selten und nur für kurze Zeit. Nämlich dann, als der Wind in westliche Richtung dreht. Denn das heißt: Kreuzen. Nach einigen Stunden auf der Kreuz dreht der Wind wieder auf südliche Richtungen – perfekt für unseren Kurs.
In der Nacht klopft es an die Kabinentür. "Noch 'ne Viertelstunde", flüstert Jörg, den wir gleich bei der Wache ablösen sollen. Ich schäle mich aus der Koje. Es ist kalt. Schnell den warmen Wolltroyer übergestreift. Das Ölzeug und die Rettungsweste habe ich im Salon bereitgelegt, um mich im Dunkeln problemlos anziehen zu können. Schlaftrunken und angesichts der heftigen Schiffsbewegungen ist das gar nicht so einfach. Stephan und ich gehen an Deck und sind schlagartig hellwach. Die frische Luft ist herrlich und ganz dunkel wird es in diesen Breiten im Sommer nicht.
Wir haben fast mit allem gerechnet, aber nicht mit den milden Witterungsbedingungen, die uns den ganzen Montag erhalten bleiben. Klare Sicht, immer wieder blaue Streifen am Himmel, sogar etwas Sonnenschein und weiterhin um die 4 Windstärken. Wir genießen es und haben uns inzwischen ganz gut an den Rhythmus aus Wachen und Schlafen gewöhnt. Gegen 20 Uhr überqueren wir den Null-Meridian, sodass wir Lerwick voraussichtlich noch in der Nacht erreichen werden.
Als ich die 2-Uhr-Wache übernehme, sind die Segel bereits geborgen und aufgetucht. Land in Sicht. Alle Mann sind wach und auf Deck, denn das Ereignis der Ankunft auf den Shetland-Inseln möchte sich niemand entgehen lassen. Es ist meine erste Nachtansteuerung. Deike erklärt anhand der Seekarte die Lichterführung und wir suchen die entsprechenden Leuchtfeuer an der Küste. Gegen drei Uhr tasten wir uns in den Hafen von Lerwick und suchen einen passenden Liegeplatz. Es herrscht eine geheimnisvolle Atmosphäre bei dämmrigem Licht. Von der Kirchturmuhr erklingt der aus London bekannte Westminster-Schlag. Möwen kreischen, manchmal klingt ihr Geschrei wie ein irres Gelächter. Ansonsten herrscht absolute Stille auf dieser so hoch im Norden gelegenen britischen Insel. Nach 39 Stunden auf See und einem feierlichen Anlegerbier sowie einem guten Schluck Rum fallen wir hundemüde in unsere Kojen.

Grauer Sandstein, grüne Hügel

Heute ist Segelpause. Wir machen uns einen gemütlichen Tag mit Spaziergängen an Land, bei Fish&Chips und einem Bier im Pub. Nach den Tagen der "Wachdienste" an Bord eine willkommene Erholung. Wir freuen uns außerdem auf eine ausgiebige Dusche und flanieren durchs Städtchen. In Lerwick dominieren graue Sandsteinhäuser mit weiß eingefassten Sprossenfenstern. Mit rechteckigen Steinplatten gedeckte Satteldächer schließen ohne Überhang mit der Fassade ab, was den Gebäuden ein blockhaftes Aussehen verleiht. Mächtige Kamine ragen an den Giebelseiten in die Höhe, oben bestückt mit mehreren zylindrischen Schornsteinen. Türmchen, Erker, Dachgauben und Stufengiebel geben jedem Haus eine individuelle Gestalt. Mit ihren eigenwilligen Winkeln und Verschachtelungen fügen sich die einzelnen Häuser zu einem harmonischen Gesamtbild. Wo die Stadt aufhört, beginnen baumlose grüne Hügel, die hier und da jäh an rauen Klippen enden. Möwen und andere Seevögel bewohnen die unwirtlichen Steinformationen - ein durch die natürlichen Gegebenheiten gut geschützter Lebensraum. Nachdem es tagsüber immer mal wieder etwas nieselt, herrscht am Abend eine wunderbar klare Sicht. Für einen Augenblick bricht sogar die tief stehende Sonne durch die Wolken und taucht Gebäude und Landschaft in ein faszinierendes Abendlicht. Langsam wird es dämmrig. Stadt und Hafen verharren in diesem Dämmerzustand, richtig dunkel will es nicht werden. Noch immer kreischen die Möwen, und das Westminster-Geläut verkündet die Uhrzeit. Ansonsten: Stille. Auch auf der Santa Maria kehrt Nachtruhe ein, denn morgen früh soll es zeitig weitergehen in Richtung Orkney-Inseln.
Irgendwo auf etwa halber Strecke liegt die kleine Insel Fair Isle. Ein praktischer Zwischenstopp, wenn man nicht wieder eine Nachtschicht schieben will. Bei herrlich blauem Himmel segeln wir in Richtung Süden. Aufgabe des heutigen Tages ist es, Namen für unsere zwei neuen Crew-Mitglieder zu finden: Puffins, auf Deutsch Papageitaucher, leben in diesen Breiten und werden in allen möglichen Formen als Souvenirs angeboten. Da wir keine echten gesehen haben, hat Roland zwei Plüsch-Puffins gekauft. Sie sollen unsere Reise als Maskottchen begleiten. Nach einem ebenso aufwendigen wie unterhaltsamen Wahlverfahren erhalten sie die Namen Christoph und Kolumbus – schließlich sind sie ja auf der Santa Maria unterwegs.

Bitte nicht weiter verraten

Der praktische Zwischenstopp verwandelt sich in einen überraschenden Höhepunkt unserer Reise. Fair Isle ist so schön. Ein einsames, kleines Naturparadies. Eine Handvoll Segelboote liegen in der geschützten Bucht. Damit sie so bleibt, wie sie ist, möchte man am liebsten gar nicht weiter verraten, dass es diese Insel gibt. Grüne Hügel, schroffe Klippen, Schafe, eine Vogelbeobachtungsstation, ein paar Farmen und "Wildlife", wie man es sonst nur im Zoo sieht.
Wir spazieren an den Klippen entlang. Und da entdecken wir sie: die Puffins. Sie sehen einfach putzig aus mit ihrem gedrungenen Körper und ihrem dicken, bunten Schnabel. Mit schnellen Flügelschlägen flattern sie heran und legen eine regelrechte Bruchlandung hin. Dann watscheln sie in ihre Nisthöhlen, um ihre Küken zu füttern. Anschließend stürzen sie sich wieder von der Klippenkante, um erneut auf Fischfang zu gehen. Um sie formatfüllend fotografieren zu können, robbe ich auf dem Bauch durch Schafsköttel an den Rand der Klippe. Auf diese Weise kann ich sie aus nächster Nähe beobachten. Am Abend besuchen Seehunde unsere Bucht. Immer wieder taucht ein Kopf aus dem Wasser auf, blickt in die Runde, taucht wieder ab. Alle schauen gebannt aufs Wasser, wo wohl der nächste Seehundkopf erscheinen wird. Nur ungern verabschieden wir uns am nächsten Morgen von diesem paradiesischen Eiland.
Fair Isle hätte uns wohl auch gerne dabehalten, denn es herrscht Windstille. Für die Weiterfahrt müssen wir den leistungsstarken Perkins bemühen. Erst auf dem letzten Drittel der 68 Seemeilen bis nach Kirkwall können wir wieder segeln. Zwischen zwei nördlichen Orkney-Inseln steht allerdings ein kräftiger Tidenstrom gegen uns, gegen den wir nur mit Motorunterstützung ankommen. Die Wellen verlaufen kreuz und quer: Santa Maria im Whirlpool.

Single Malt und Dudelsack

In Kirkwall auf der Hauptinsel der Orkneys erwartet uns für die nächsten zwei Tage echtes Schietwetter. Dichte Wolken, Regen, Sturm. Doch dies soll unsere Unternehmungslust nicht trüben. Wir besichtigen die großartige St. Magnus Kathedrale, fahren mit dem Bus zur jungsteinzeitlichen Siedlung Scara Brae und zu dem ebenfalls aus jener Zeit stammenden Ring of Brodgar, einem mysteriösen Steinkreis von über 100 Metern Durchmesser. Düstere Wolken, Heidekraut und riesige Steine erzeugen im Zusammenspiel eine geheimnisvolle Atmosphäre.
Ein Besuch in Schottlands nördlichster Destillerie Highland Park hellt die Gemüter nach den zuvor erlebten "Fifty Shades of Grey" spürbar auf. Eine der Mitarbeiterinnen ist eine alte Bekannte unseres Schotten Charlie. Sie übernimmt persönlich die Führung und bringt uns in den Genuss eines äußerst liebevoll gestalteten Whisky-Tastings. Schließlich sind sich alle einig: Die Single Malts von Highland Park sind die besten, ob 12, 18 oder 21 Jahre alt. Auch wenn wir, ehrlich gesagt, die feinen Geschmacksnuancen am Ende nicht mehr wirklich herauszuschmecken in der Lage sind. Am Abend erfreuen wir uns an der Parade der Bagpipe Band von Kirkwall. Durchdringende Dudelsackklänge, Trommeln und Männer in Kilts machen das Bild von Schottland perfekt.
Die verschiedenen Schattierungen der Farbe Grau dominieren auch beim Auslaufen am nächsten Morgen. Hinter einem dichten Schleier verbirgt sich die Landschaft, an der wir auf Halbwindkurs mit 8 Knoten vorbeirauschen. Als wir nach den Inseln in Richtung Süden abbiegen, haben wir achterlichen Wind und segeln Schmetterling. Der gefürchtete Pentland Firth bleibt weit an Steuerbord liegen, Muckle Skerry ein undeutlicher Schatten im Regengrau. Fast den ganzen Tag über nieselt es leicht. Leider schläft nach 34 Seemeilen der Wind komplett ein. Unter Motor laufen wir über die bleigraue See in den Moray Firth. In bewährtem Wach-System wechseln wir uns ab beim Rudergehen. Wir passieren Ölplattformen und Fi-scherboote, Leuchtfeuer weisen uns den Weg. In den frühen Morgenstunden erreichen wir Inverness.

Schleusen-Spektakel im Great Glen

Nun, da wir erstmals schottisches Festland betreten haben, ist es Zeit für ein "Full Scottish Breakfast", zubereitet von Charlie. Black Pudding, Potato Scones, Sausage, Baked Beans, Bacon, Fried Eggs. Kurzum: ein Festmahl.
Draußen herrscht Ebbe, den Tidenhub von gut drei Metern kann man an der Höhe der Hafenmauer schön erkennen. Gut, dass es Schwimmstege gibt, sonst müsste man jetzt ganz schön klettern, um an Land zu kommen. Beim Geschirrspülen beobachte ich einen großen Delphin, der mehrmals in der Nähe vorbeischwimmt. Dass man immer einen großzügigen Ausblick nach draußen hat, empfinde ich als besonderen Vorteil unserer Decksalonyacht.
Mit der Einfahrt in die erste Schleuse beginnt ein neuer, völlig anders gearteter Abschnitt unseres Törns: die Fahrt durch den Caledonian Canal. Von der Nordsee zum Atlantik verläuft dieser schnurgerade quer durch das schottische Hochland. Sein Bau vor 200 Jahren war eine technische Pionierleistung. Heute ist der Kaledonische Kanal die Touristenattraktion in der grandiosen Landschaft des Great Glen, des "Großen Tals". Nur ein Drittel des 97 Kilometer langen Kanals ist künstlich erschaffen. Er verbindet die Seen Dochfour, Loch Ness, Oich und Lochy miteinander. Für die Fahrt von Inverness nach Fort William haben wir drei Tage veranschlagt. Und die braucht man auch. Ebenso Geduld. Denn die Höhenunterschiede werden mit 29 Schleusen ausgeglichen. Im Laufe des Kanals erklimmt unser Schiff rund 30 Höhenmeter, die es schließlich auch wieder bergab geht. Nach einiger Übung beherrscht unsere Crew das Schleusenmanöver routiniert. Mein Job ist die Bedienung der Achterleine. Ich staune nicht schlecht über ein Ehepaar, sicherlich um die siebzig Jahre alt, das seine Yacht ganz allein von der Schleusenmauer aus per Leine durch die acht Schleusen zählende "Neptune's Staircase" manövriert. An Bord befindet sich nur ein Hund, der die Sache genau überwacht und stets beim Öffnen des Schleusentores bellt. Ein weiterer Weggefährte und Schleusenpartner ist über weite Strecken die "Bloodhound", eine ehemals königliche Rennyacht, die heute von einem Verein betrieben wird.
Das Schleusen-Spektakel in Fort Augustus (aufwärts) und bei Fort William (abwärts per Neptune's Staircase) zieht viele Schaulustige an. Mit einigen kommen wir ins Gespräch. Das Schleusenpersonal ist, wie unserer Erfahrung nach alle Schotten, hilfsbereit und freundlich und hat immer einen passenden Spruch parat. An einer Schleuse verteilt die Wärterin sogar Sternchen als Belohnung für das Tragen der Rettungsweste.
Ein kulinarischer Höhepunkt erwartet uns in Fort Augustus. Charlie kocht das Nationalgericht Haggis, Neeps and Tatties. Mit Schafsinnereien und Hafer gefüllter Schafsmagen mit Steckrüben- und Kartoffelpüree. Es klingt abenteuerlich, entpuppt sich jedoch als sehr schmackhaftes, deftiges Gericht. Charlie versäumt es nicht, uns auch mit geistiger Nahrung zu füttern. Auf wunderbar theatralische Weise rezitiert er die "Address to a Haggis", eine Ode des schottischen Dichters Robert Burns an die besagte Speise: "Fair fa' your honest, sonsie face, Great chieftain o' the puddin'-race! …"

Noch mal segeln wäre schön

Auch wenn das Segeln auf dieser Strecke zwangsläufig zu kurz kommt, hat es schon seinen ganz eigenen Reiz, mit dem Boot durch das Reich des – nicht gesichteten - Seeungeheuers Nessie und bis zum Fuß des Ben Nevis, dem höchsten Berg von Großbritannien, zu fahren. Herrliche Landschaften und wunderbare Lichtspiele aus Sonne und Wolken sorgen unterwegs immer wieder für neues Entzücken.
Nachdem sich die letzte Schleuse in Corpach geöffnet hat, erreichen wir wieder Meeresniveau. Im Loch Linnhe möchten wir gerne noch einmal segeln. Wir müssen gegen den Wind ankreuzen, aber egal. Zum letzten Mal schlüpfen wir in unser Ölzeug, setzen Segel, und ab geht die Fahrt. Doch nach zwei - oder waren es drei – Wenden legt sich der Wind schlafen. So schaffen wir unter Segel leider nur 2,7 von 30 Seemeilen nach Oban. Stattdessen wird es noch mal richtig nass, ein Schauer nach dem anderen zieht über uns hinweg. Ich stehe am Ruder und genieße, dem schottischen Wetter zum Trotz, die letzte Etappe eines sicherlich unvergesslichen Törns.

LUST AUF MITSEGELN?